Geschichte der Brennerei

Wie kommt man darauf, edle Destillate zu brennen? Dem Ganzen geht eine eigentlich recht profane Geschichte voraus.

Eines Abends, es muss um das Jahr 1995 gewesen sein – so genau lässt sich das nicht mehr feststellen – saß ich an einem der Altweibersommertage im September mit meinem Freund Peter auf dem Gred. An diesem schönen Herbsttag ahnte man schon das Herannahen des Winters und die Natur bereitete sich auf die kalte Jahreszeit vor. Die Blätter hatten sich bereits gelb gefärbt und fielen zu Boden. Was lag da näher, als über die Vergänglichkeit zu philosophieren und zu lamentieren. Wir waren damals Mitte 30, da neigt man noch zu Übertreibungen. Unsere Vorstellung der zu erwartenden Zukunft sah nicht rosig aus:

Die Tage werden kürzer und kälter, das Feuer scheint auch nicht mehr so zu wärmen wie früher und das Interesse der Weiblichkeit an der eigene Person ist schon lange dahin. Lediglich der Alkohol steht einem in diesen scheinbar trüben Stunden noch bei, und bekanntlich wärmt Schnaps am besten. Man will ja nicht die ganze Zeit nur Kamillentee trinken, und ein kaltes Bier hilft da auch nicht mehr weiter. Wie allgemein bekannt wird der Schnaps, je älter er wird, umso besser.

Unser Fazit dieses Tages: Wir fangen jetzt an zu brennen, damit wir im Alter einen genügend großen Vorrat an Bränden haben.

Damit war die Idee geboren, Schnaps zu brennen. Obst hatten wir ja in unseren Gärten mehr als genug, wir wussten ohnehin nicht wohin damit. Nur Peters Kühe freuten sich, wenn sie im Herbst das angegorene Obst fressen konnten. Ein alkoholisierter Stier ist nicht zwingend lustig. Damals war für uns wichtig, den Schnaps unter gar keinen Umständen zu verkaufen, und ihn nur selbst zu trinken, höchstens Freunde bei Besuchen auf unseren Höfen sollten etwas davon abbekommen – aber bloß nicht zu viel, immerhin würde es sich ja dabei um unsere flüssige Rente handeln. Die Winter werden schließlich lang und kalt, wir mit Sicherheit 100 Jahre alt und die Zeiten noch rauer, als sie es in unseren Augen eh schon waren.

Im darauffolgenden Winter bekam mein Freund Peter ein Abfindungsbrennrecht zugeteilt. Über den Biokreis Ostbayern war auch bald eine Brennanlage gefunden. Zu diesem Zeitpunkt stammte unser gesamtes Wissen über das Destillieren noch aus der Schule. Für uns war Brennerei Brennerei. Dies hat sich mittlerweile glücklicherweise dahingehend geändert, dass ich so ziemlich alles gelesen habe, was mit der Herstellung von Alkohol zu tun hat und Übung und viel Erfahrung sind im Laufe der Jahre auch dazu gekommen. Aber dazu später.

Die erstandene Anlage hatte schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, sie stand die letzten Jahre unbenutzt und unbeachtet in einer Scheune, und der Vorbesitzer ging alles andere als sorgfältig mit ihr um. Dies merkten wir natürlich erst beim Versuch sie aufzubauen. Zunächst musste ein Raum dafür gefunden werden. Auf Peters Hof gab es noch einen ungenutzten Natursteinkeller, der natürlich eine unglaubliche Atmosphäre bot. Aber Keller haben die Eigenschaft, dass sie – zumal wenn sie älter sind – über keine große Höhe verfügen. Der kupferne Verstärker passte gar nicht in den vorgesehenen Raum, und es mussten Umbauten vorgenommen werden. Dabei kam dann auch die ein oder andere technische Unzulänglichkeit der Brennerei zu Tage.

Irgendwann im Sommer 1998 oder 1999 stand dann die Brennerei funktionstüchtig in dem wunderschönen Gewölbe. Die Ergebnisse des Brennens der ersten Jahre überzeugten zunächst nicht. Der Prozess, die Arbeit, das Ausprobieren und die Gesellschaft standen im Vordergrund. Aber unverdrossen arbeiteten wir an der Qualität unseres Obstes, unserer Maischen und Brände, bis wir ein Ergebnis hatten, das sich schmecken lassen konnte. Je weiter unser Wissensstand sich vergrößerte, desto deutlicher wurden die Schwächen unserer Brennerei.

Von Brand zu Brand wuchs mein Anspruch, die sehr feinen Fruchtaromen weiter auszubauen. Bis dahin war mir nicht bewusst, was in einem Obstdestillat alles stecken kann, aber jetzt hatte ich Feuer gefangen.

Irgendwann wurden die Unzulänglichkeiten der Brennerei so deutlich, dass ich mich entschloss, mir selbst eine Brennerei anzuschaffen. Also bemühte ich mich im Februar 2014, nun ein eigenes Brennrecht zu bekommen. Da ich über Obstbäume und Beerensträucher in genügender Menge verfügte, war das zum Glück kein Problem. Die erste Hürde war genommen. Nun musste ich eine Brennerei finden. Eine neue kam aus finanziellen Gründen, zumal mit der Ausstattung, die mir vorschwebte, nicht in Frage. Nach langer Recherche und Suche wurde es am Ende eine Brennerei der Fa. Hans Franzen aus Trier aus dem Jahre 1963. Diese Anlage verfügte erst einmal nur über Bruchteile der Technik, die mir vorschwebten, aber sie bot ausreichende Möglichkeiten für den Umbau nach meinen Vorstellungen. Der Einbau eines neuen Verstärkers, Aromators, Dephlegmators und einer Spüleinrichtung wurde dann nach meinen Vorgaben durch die Fa. Kothe vorgenommen.

Mit dieser Anlage eröffneten sich mir völlig neue Welten des Brennens.